Kein Gefühl ist falsch...

... das sollten wir niemals vergessen

Wir leben in einer Zeit, die uns ständig suggeriert, wir müssten immer strahlen, leistungsfähig und äußerlich perfekt optimiert sein.

Wenn wir traurig sind, heißt es schnell: „Kopf hoch, das wird schon.“

Wenn wir wütend sind, gelten wir als schwierig.

Und wenn wir überfordert sind, sollen wir einfach tief durchatmen und ein paar Dankbarkeitsübungen machen.

Ganz ehrlich? Was für ein Quatsch.

Nicht jede Krise lässt sich mit drei tiefen Atemzügen und einer Liste schöner Dinge lösen. Manchmal ist man nicht dankbar. Manchmal ist man einfach nur erschöpft, wütend oder traurig. Und das macht einen nicht undankbar oder falsch.

Es macht einen menschlich.

Wut, Trauer, Zweifel, Scham oder diese lähmende Überforderung, bei der man sich am liebsten die Bettdecke über den Kopf ziehen möchte, all diese Gefühle haben ein verdammt gutes Recht, da zu sein.

Sie sind kein Zeichen von Schwäche. Und erst recht kein Beweis dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt.

Sie sind kein Makel und kein Urteil über deine Stärke.

Sie sind vielmehr ein Zeichen dafür, dass du lebendig bist. Dass dir etwas wichtig ist. Dass deine Grenzen verletzt wurden oder dir etwas fehlt.

Gefühle sind nicht immer angenehm. Manche kommen nicht höflich zur Tür herein, ziehen die Schuhe aus und fragen, ob es gerade passt. Manche platzen mitten in dein Leben und benehmen sich, als würde ihnen hier alles gehören.

Aber auch die unangenehmen Gefühle wollen uns etwas sagen.

Ich habe über die Jahre gelernt, auch unangenehme Empfindungen zuzulassen, statt sie sofort zu unterdrücken.

Ich habe geweint, wenn mir danach war. Ich habe mir Pausen erlaubt, wenn ich erschöpft war. Ich dachte, ich hätte inzwischen verstanden, wie Heilung funktioniert.

Und dann gibt es diese Tage, an denen dich die Vergangenheit von hinten anspringt und dir eiskalt den Boden unter den Füßen wegreißt.

Manchmal passieren Dinge im Leben, die tiefe Wunden hinterlassen. Grenzen werden überschritten. Erlebnisse schreiben sich in Körper und Seele. Und manche Spuren verschwinden nicht einfach, nur weil ein bisschen Zeit vergangen ist.

Erst kürzlich wurde ich wieder schmerzhaft daran erinnert.

Ich wollte Nähe zulassen und plötzlich ging nichts mehr.

Ich war wie gelähmt. Eingefroren vor Angst. Mein Körper war schneller als mein Verstand und hatte offenbar beschlossen, die Notbremse zu ziehen, während mein Kopf noch versucht hat, die Situation zu verstehen.

Das ist ein verdammt schreckliches und hilfloses Gefühl.

In solchen Momenten fühlt man sich meilenweit von Stärke oder Fortschritt entfernt.

Aber genau das gehört zur Wahrheit dazu:

Heilung ist keine gerade Linie.

Manchmal macht man drei Schritte nach vorne und wird von einem alten Schatten wieder tief zurückgeworfen. Das bedeutet nicht, dass all die Schritte umsonst waren. Es bedeutet nicht, dass du wieder ganz am Anfang stehst.

Es bedeutet nur, dass manche Wunden empfindlicher sind, als man gehofft hat.

Gefühle, auch Panik, Erstarren und Wut, wollen nicht wegerzogen oder weggelächelt werden. Sie wollen da sein dürfen.

Es ist okay, stinksauer auf das zu sein, was dir passiert ist.

Es ist okay, mitten in einer Lähmung zu stecken und nicht zu funktionieren.

Es ist absolut erlaubt, dir einzugestehen, dass alte Wunden manchmal wieder aufreißen.

Du musst nicht so tun, als wäre alles längst verarbeitet, nur weil du zwischendurch gute Tage hattest.

Und weißt du, was passieren kann, wenn du deine Gefühle anerkennst?

Sie verlieren nicht unbedingt sofort ihre Macht. Das wäre auch wieder so ein schöner Spruch, der sich auf einer Tasse gut machen würde, aber im echten Leben leider etwas zu viel verspricht.

Doch sie können an Schwere verlieren.

Und sie können Raum für Veränderung schaffen.

Gefühle wollen nicht weggelächelt, sondern gehört werden. Sie möchten erlebt und verstanden werden, damit sie sich mit der Zeit wandeln können.

Es ist mutig, wütend zu sein.

Es ist stark, stundenlang zu weinen, ohne alles erklären zu müssen.

Und es ist klug, sich einzugestehen, dass man manchmal Hilfe braucht.

Du musst nicht alles allein durchstehen, nur weil du es bisher irgendwie geschafft hast.

Erst wenn wir aufhören, uns für schwierige Tage zu schämen oder zu verurteilen, beginnen wir, wirklich mit uns selbst zu arbeiten.

Akzeptanz bedeutet nicht, gutzuheißen, was dir wehgetan hat.

Es bedeutet nicht, dass du sagen musst: „Ist schon in Ordnung“, wenn es das ganz und gar nicht war.

Akzeptanz bedeutet vielmehr:

Ja, es tut weh.
Und ich erlaube mir, das zu fühlen.

Erlaube dir, wahrzunehmen, was gerade in dir passiert. Ohne Filter. Ohne Entschuldigung. Ohne den Druck, sofort wieder funktionieren zu müssen.

Du musst nicht ständig glücklich sein, um wertvoll zu sein.

Du musst nicht immer stark wirken, um stark zu sein.

Und du musst nicht allein durch deine dunkelsten Momente gehen.

Geh in deinem Tempo weiter. Hör auf deinen inneren Kompass.

Jeder Schritt zählt. Auch der zurück. Auch der winzige. Auch der, bei dem du zwischendurch innehalten musst.

#DuBistNichtAllein

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