Alles gut? Passt schon. Ok,und jetzt mal ehrlich, bitte.
Die Menschen suchen Erlösung aus ihrer Einsamkeit. Wir wollen uns gegenseitig dabei helfen
Du musst da nicht alleine durch
Wir sind erstaunlich gut darin, so zu tun, als hätten wir alles im Griff.
Wir sagen „Alles gut“, obwohl gerade überhaupt nichts gut ist. Wir lächeln, obwohl uns eigentlich zum Heulen ist. Wir antworten auf die Frage „Wie geht’s dir?“ mit „Passt schon, bisschen stressig gerade“, fast automatisch, wie eine einstudierte Choreografie.
Die ehrliche Antwort wäre viel zu lang. Und manchmal wissen wir selbst nicht, wo wir überhaupt anfangen sollen. Also sagen wir lieber „Passt schon“ und hoffen, dass niemand genauer nachfragt.
Denn was sollten wir auch antworten?
„Danke der Nachfrage. Ich funktioniere körperlich noch, aber emotional würde ich mir gerade lieber freiwillig den kleinen Zeh am Türrahmen stoßen, als mich auch nur fünf Minuten mit dem nächsten Problem zu befassen.“
Wir tun so, als müssten wir jede Hürde ganz allein tragen. Als wäre es eine Niederlage, zuzugeben, dass die Last manchmal einfach zu schwer wird.
Vielleicht wollen wir niemandem zur Last fallen. Vielleicht haben wir gelernt, Dinge mit uns selbst auszumachen. Oder wir haben irgendwann aufgehört zu glauben, dass überhaupt jemand verstehen könnte, was gerade in uns los ist.
Also machen wir weiter.
Wir funktionieren. Wir gehen arbeiten. Wir bringen unsere Kinder in die Schule, zum Sport und zu ungefähr siebzehn weiteren Terminen, deren Sinn wir spätestens nach dem dritten Elternbrief nicht mehr ganz nachvollziehen können. Wir beantworten Nachrichten, kaufen Lebensmittel und versuchen nebenbei, unser eigenes Leben nicht vollständig gegen die Wand zu fahren.
Und keiner sieht, wie viel Kraft das manchmal kostet.
Stark sein ist kein Dauerauftrag
Ganz ehrlich? Niemand von uns ist dafür gemacht, ständig stark zu sein.
Das ist keine besondere Fähigkeit. Das ist irgendwann Selbstzerstörung mit sehr guter Außenwirkung.
Wir dürfen müde sein. Überfordert. Traurig. Wütend. Wir dürfen an einem Tag alles schaffen und am nächsten bereits daran scheitern, zwei passende Socken zu finden.
Beides macht uns nicht weniger wertvoll.
Dabei gibt es so viele Menschen, die genau dasselbe kennen.
Menschen, die nachts wachliegen und sich fragen, ob sie eigentlich gute Eltern sind. Ob sie ihre Kinder gerade fürs Leben stärken oder lieber schon für die Therapie in zwanzig Jahren sparen sollten.
Menschen, die ihre Kontoauszüge öffnen und kurz die Luft anhalten. Die rechnen, bevor sie einkaufen. Die lächeln, wenn andere über den nächsten Urlaub erzählen, während sie innerlich überlegen, ob der Discounter Kaffee noch bis Monatsende reicht.
Menschen, die neben ihrem Partner liegen und sich fragen: Liebt er mich wirklich, oder bin ich vielleicht einfach nicht genug?
Menschen, die einen Verlust verkraften müssen. Die sich komplett neu sortieren. Die alte Wunden mit sich herumtragen, von denen niemand etwas ahnt.
Menschen, die nach außen tadellos funktionieren und innerlich trotzdem ziemlich müde sind.
Vielleicht stolperst du gerade über dieselben Steine wie jemand anderes. Vielleicht liegen zwei Menschen, die sich völlig fremd sind, heute Nacht wach und stellen sich exakt dieselben Fragen.
Warum also tun wir alle so, als wären wir die Einzigen?
Hier musst du nichts vorspielen
Genau das soll dieser Ort aufbrechen.
Das hier ist kein Platz für kluge Ratschläge von oben herab. Kein „Das wird schon wieder“. Und bitte auch kein „Du musst einfach positiv denken“.
Mal ehrlich: Wenn positives Denken allein helfen würde, wären wir vermutlich längst alle tiefenentspannt, schuldenfrei und würden morgens freiwillig joggen gehen.
Manchmal braucht ein Mensch keinen Rat.
Manchmal braucht er einfach jemanden, der sagt:
„Ich verstehe es vielleicht nicht genau. Aber ich höre dir zu.“
Das kann unglaublich viel verändern.
Denn Verbundenheit bedeutet nicht, dass wir dieselben Geschichten erlebt haben müssen. Wir müssen nicht alle die gleichen Narben tragen, um anzuerkennen, dass etwas weh tut.
Manchmal reicht es, einander zuzugestehen, dass nicht jeder Tag leicht sein muss.
Hier darfst du ehrlich sein.
Du darfst sagen, dass du gerade keine Ahnung hast, was du eigentlich machst. Du darfst erzählen, dass du Angst hast. Dass du wütend bist. Dass du jemanden vermisst. Dass du dich verloren fühlst.
Oder dass du heute einfach nur froh bist, diesen einen verdammten Tag irgendwie geschafft zu haben.
Auch das ist ein Erfolg. Vielleicht kein mit Konfetti und Fanfare, aber immerhin einer, bei dem du noch da bist.
Und du musst dich dafür nicht rechtfertigen.
Gemeinsam trägt es sich leichter
Wenn wir anfangen, über das Unperfekte zu sprechen, verlieren die Schatten ein Stück ihrer Macht.
Vielleicht können wir die Steine auf unserem Weg nicht sofort abtragen. Vielleicht stolpern wir auch weiterhin regelmäßig über denselben, manche Steine haben offenbar eine sehr ausgeprägte A... Persönlichkeit.
Aber wir können uns gegenseitig ein Stück weit halten, wenn der Boden wackelt.
Du musst nicht stark sein, um hierher zu gehören. Du musst nicht glücklich sein, um willkommen zu sein. Und du musst dein Leben nicht im Griff haben, um nicht allein zu sein.
Vielleicht ist dieser Ort genau dafür da:
Für Geschichten, die sonst niemand hört.
Für Gedanken, die man sich sonst nicht traut auszusprechen.
Für ein ehrliches:
„Heute ist einfach scheiße.“
Für ein erleichtertes:
„Ich hab’s geschafft.“
Für ein vorsichtiges:
„Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht.“
Und vielleicht auch einfach für dieses stille Gefühl:
Da draußen ist jemand, der das gerade genauso fühlt.
Wir müssen nicht immer wissen, wie man jemanden auffängt. Manchmal reicht es, sich kurz dazuzusetzen.
Ohne Lösung. Ohne fertigen Plan. Ohne motivierenden Spruch auf einer Tasse.
Einfach da.
Du bist mit deinem Chaos, deinen Zweifeln und deinen Scherben nicht allein.
Schön, dass du hier bist.
Lass uns ein Stück des Weges zusammen gehen. Und wenn wir dabei gelegentlich über unsere eigenen Füße stolpern, tun wir wenigstens nicht so, als wäre das Absicht gewesen.
#DuBistNichtAllein